Die Geschichte unserer Gemeindeteile



Die Grunddörfer
Buchenrod
Schriftliche Erwähnung erfährt der Weiler um die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Ein am 21. Juli 1058 in lateinischer Schrift verfasstes Dokument, das unter anderem den Banzer Wald beschreibt, gibt Auskunft darüber, dass Buchenrod zur Diözese Saalfeld, welche wiederum Fulda unterstand, gehörte. Bereits vorher, im 9. Jahrhundert lebten nachgewiesenermaßen hier Menschen.
In alten Überlieferungen wird die Wustung "Tanndorf" (siehe hierzu auch "Die Eigensdörfer") genannt. Funde und Reste von Hügelgräbern im Nordwesten von Buchenrod belegten im Zusammenhang mit einem großen ca. 6.000 Jahre alten keltischen Dorf, das zwischen Großheirath und Zilgendorf lag, eine noch frühere Besiedlung.
Anfangs besaßen die Grafen von Wildberg Buchenrod. 1297 vermachten sie den Zehnten an Kloster Langheim. Kloster Langheim seinerseits war eines der mächtigsten Klöster im fränkischen Raum. U.a. gründeten die dort beheimateten Zisterziensermönche Vierzehnheiligen.
Buchenrod bezeichnete man als ,,Ganerbendorf". Ganerbe bedeutet Miterbe. Nach dem Henneberger (=mächtiges Adelsgeschlecht im Coburger Raum) Urbarium (=Grundbuch) aus dem Jahre 1311 gehörte Buchenrod dem "Gerichte Lauter" (Coburg) an.
1465 bekamen Jobst und Jörg von Rotenhan (die) Sölden von Buchenrod (Sölden = 1. Sold - Lohn für (Kriegs-) Dienst; oder 2. Hofteilung).
Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) ging an Buchenrod nicht spurlos vorüber. Beim Fundamentbau der Scheune des Bauernhofes Öster (im Buchenroder "Unterdorf") im Jahre 1938 fanden sich Knochen von Menschen (vermutlich schwedischen Soldaten) und Pferden aus diesem Zeitabschnitt. "Wild ging es zu", berichteten Chronisten aus allen Siedlungen des Itzgrundes.
Am 25. Februar 1800 brach in Buchenrod eine fürchterliche Feuersbrunst aus, wie Bittbriefe an den damaligen Landesherrn Herzog Franz belegen. Die Not war derart groß, dass Herzog Franz eine "Sammelerlaubnis in den Coburger Landen" für die Bedürftigen erteilte.
Eine weitere Quelle stellt eine Kartendarstellung der Lehensverhältnisse des Klosters Langheim zur Zeit der Säkularisation (24.06.1803) dar. Damals wohnten in Buchenrod weniger als 30 Menschen, die so arm zu sein schienen, dass weder "Zehnt noch Zins" von ihnen gezahlt werden musste.
Durch den Tausch erhielten die Herren von Rotenhan ab 1813 von der Würzburger Regierung die Zehntabgaben der Bürger Buchenrods. Viele weitere Geschlechter, wie die der Herren von Lichtenstein, derer von Gereuth, der Herren zu Sternberg und derer von Greifenclau bestimmten das Geschick.
Eigenständig und bis dahin mit eigenem Bürgermeister stellte der 01. April 1971 einen "Herrschaftsübergang" anderer Art dar - die Angliederung nach demokratischer Abstimmung an die jetzige Gemeinde Großheirath.
Großheirath
Der Name Großheirath ist aus Hourith entstanden und setzt sich zusammen aus hou = hauen und rith = Riedgras. Also ein Ort, wo einmal Riedgras gehauen wurde. Später machte ein Kirchenschreiber Heyrath daraus.
"Aber das Volk", ereiferte sich ein späterer Schulheiß, "sagt nicht Heyrath, sondern Herreth", und das bringt fortwährend Verwechslungen, weil gleich in der Nähe das richtige Herreth liegt. So wurde der Name "Großheirath" gefunden. Die Bürger aber kümmerten sich wenig darum, blieben weiter bei ihrem "Herreth" und hielten es so bis auf den heutigen Tag. Ein gutes Beispiel dafür, dass auch das Volk eine eigene Meinung haben kann.
Großheirath lag an der großen Straße, die den Süden des Reiches mit dem Norden verband. Hier zog auch Martin Luther durch, als er 1510 im Auftrag seines Ordens nach Rom reiste.
Als die Truppen des General Lamboy durchzogen, ging es weniger friedlich zu: Nachdem man in Rossach den Kirchturm und vier Scharwachttürmchen zerschossen hatte, hinterließ man auch in Großheirath einige Tote, wo man im 30jährigen Krieg insgesamt 94 Bürger verlor.
Im Jahre 1733 gab es in Großheirath einen fürchterlichen Aufruhr. Mitten in der Nacht drangen 200 schwerbewaffnete Lichtenfelser in das Dorf ein und versetzten die Bürger in Angst und Schrecken. Eine wilde Schießerei trieb die Leute aus den Betten, wer im Wege war, wurde niedergeknüppelt, und den 77jährigen Schäfer, nur mit einem Hemd bekleidet, schleppte man fort. Nun war man einiges gewohnt, weil sich hier die Rechte des Coburger Herzogtums und des Bamberger Hochstiftes überschnitten, aber so etwas hatte man noch nicht erlebt.
1808 hat man für die Kirchengemeinde ein neues Vortragekreuz angeschafft, das auf der Vorderseite den Gekreuzigten und auf der Rückseite den Auferstandenen zeigt.
1965 wurde in Großheirath ein großer archäologischer Fund gemacht. Beim Setzen eines Grenzsteines stieß man auf Reste eines Hügelgrabes aus der Frühgeschichte des Coburger Landes. Der Grabfund war deshalb so wichtig, weil aus dieser Zeit ,,klassische" Funde bisher in Oberfranken fehlten. 20 Bronze-Schmuckstücke und einige Tongefäße waren die reiche Ausbeute, die jetzt im Naturwissenschaftlichen Museum in Coburg zu bewundern sind.
Im Jahr 1970 begann im Coburger Land die Gebietsreform. Am 01.04.1971 hat sich Buchenrod der Gemeinde Großheirath angeschlossen. Am 01.05.1978 kamen Gossenberg, Neuses a.d. Eichen, Rossach und Watzendorf hinzu. Damit war Großheirath auf ca. 2.000 Einwohner angewachsen. Bis zum Jahre 1989 ist die neue Gemeinde Großheirath Mitglied in der Verwaltungsgemeinschaft Untersiemau gewesen. Mit dem dritten Korrekturgesetz zur Gebietsreform hat die Gemeinde Großheirath zum 01.01.1990 ihre volle Selbständigkeit erlangt. Durch eine rege Bautätigkeit in den Orten Großheirath und Rossach stieg in der Folgezeit die Einwohnerzahl deutlich an.
Rossach
Das Dorf Rossach war bis zur Gebietsreform von 1978 die südlichste Gemeinde des Landkreises Coburg.
Die Entstehung des Ortsnamens ist nicht einwandfrei geklärt. Neueren Forschungen zufolge soll der Name Rossach slawischen Ursprungs sein. Erstmals wird ein Ort "Roddizache" 1126 in einer Urkunde des Klosters Banz genannt; damit gilt dieses Jahr bis heute als Gründungsjahr. "Roddizache" bedeutet soviel wie "Rodung am Wasser".
Schon kurz nach 1300 wurde die heutige Schreibweise Rossach festgelegt.
Im 14. Jahrhundert waren einige Höfe dem Kloster Langheim lehnspflichtig, ab 1441 wird Rossach als Ganerbendorf genannt, gleichzeitig werden Personennamen eingeführt. Im Jahre 1520 hat Rossach 32 Gehöfte und 160 Einwohner. Das erste große kirchengeschichtliche Ereignis war der Bau einer Kapelle, die durch Papst Benedikt XlI. 1338 dem Kloster Banz unterstellt wurde. Sie war dem hl. Oswald geweiht. Um 1450 erfolgte der Bau der ersten Kirche. Das Mauerwerk des Turmfußes stammt noch aus dieser Zeit. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche in der Zeit von 1756 -1760. 1529 wurde der Itzgrund und damit auch Rossach evangelisch. Ein Kirchspiel Gleußen, Rossach und Heirath existierte nur kurze Zeit, denn Rossach kam kurz darauf zur Pfarrei Scherneck. Erst 1878 wurde es von Scherneck getrennt und kam als Tochterkirchengemeinde zu Großheirath. Der 30jährige Krieg verheerte auch Rossach. 1630 starben 40 Einwohner an der Pest, 1632 brannte das Dorf größtenteils nieder. 1650 wohnten im Ort noch 60 Personen, 48 Häuser und Städel lagen in Schutt und Asche.
Mit dem Gemeindebrauhaus von 1711 besitzt Rossach ein heimatgeschichtliches Kleinod. Urkunden beweisen, dass das Hausbrauen in Rossach schon vor dem 30jährigen Krieg üblich war.
Im 19. Jahrhundert nahm der Ort einen neuerlichen Aufschwung. So kaufte die Gemeinde 1805 die erste fahrbare Schlauchspritze ohne Saugrohr; sie wurde erst 1880 durch eine große vierrädrige Spritze mit Saugrohr ersetzt. Damit zählt die Feuerwehr Rossach zu den ältesten im Landkreis.
Im Jahre 1830 verlieh Herzog Ernst I. der Gemeinde das Marktrecht. Es fanden jährlich 4 gemischte Märkte statt. Die Markt-Tradition hat der Bürgerverein Rossach seit einem Jahrzehnt neu belebt. Im Jahre 1839 wurde der erste Gemeindeausschuss gewählt.
Die Schulgeschichte verzeichnet einen ersten Schulbau von 1721, der 1813 vergrößert wurde. 1866 - 1868 wurde er dann völlig neu gebaut und bis zum Jahre 1955 als Schulhaus genutzt. Im Dezember 1955 bezog man das neue Schulhaus an der Wegegabel Altenbanz - Zilgendorf (zunächst ein-, später zweiklassig), in dem bis zur Einweihung der Verbandsschule Großheirath im Jahre 1971 unterrichtet wurde.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hielt auch in Rossach die Moderne Einzug. Die Eisenbahnlinie Coburg - Rossach wird 1900 dem Verkehr übergeben (1984 wurde der Personenverkehr eingestellt), 1902 erhielt das Dorf Straßenbeleuchtung (5 Petroleumlampen), 1905 lieferte das Kraftwerk Schleifenhan erstmals elektrischen Strom.
Die beiden Weltkriege brachten dem Dorf viele Umwälzungen. 1950 zählte man in Rossach 580 Einwohner, davon 239 Flüchtlinge. In der Folgezeit wurde der Straßen- und Wohnungsbau vordringlich. Der Bau einer Wasserleitung wurde im Jahre 1974 verwirklicht.
Mit Einführung der Gebiets- und Gemeindereform 1978 verlor auch Rossach seine Selbständigkeit und wurde Ortsteil der Gemeinde Großheirath.
Ein kultureller Höhepunkt besonderer Art war die Feier am 09.10.1990 zum 200. Geburtstag des Komponisten Andreas Späth, Rossachs berühmtesten Sohn.
Die kontinuierliche Entwicklung des Dorfes in der 2. Hälfte unseres Jahrhunderts ist nicht zuletzt ein Verdienst der jeweiligen Bürgermeister:
Hermann Langbein (1948 - 1956),
Herbert Schultheiß (1957 - 1977) und
Arno Heß (1978 - 1984).
Weitere Informationen zum Ort Rossach finden Sie unter: www.rossach.de



Die Eigensdörfer
Gossenberg – Neuses a.d.Eichen – Watzendorf
Zu Großheirath gehören neben den sogenannten Grunddörfern (Rossach, Großheirath und Buchenrod) auch die sogenannten Eigensdörfer: Neuses a.d. Eichen, Watzendorf und Gossenberg.
Diese drei fränkischen Dörfer haben ihren Namen "Eigensdörfer" durch ein besonderes Recht erhalten, das der eigenen Gerichtsbarkeit.
Die ersten Ansiedlungen entstanden wohl etwa 1000 n. Chr. um eine Wallfahrtskapelle zu Ehren der Mutter Maria. Auch Kaiser Heinrich II. (1002-1024) kam mit seiner Gemahlin Kunigunde öfter nach Watzendorf, um die dortige Wallfahrtskirche mit dem wundertätigen Marienbild zu besuchen, wobei er die Pferde (die Thiere) auf einer Ödung (Thiereller) zurückließ.
Die Dörfer Gossenberg, Neuses a. d. Eichen und Watzendorf versorgten Kaiser und Tross mit Speise und Trank. Aus Dankbarkeit soll ihnen der Kaiser die eigene Gerichtsbarkeit zugebilligt haben.
Dieses Recht wurde in der Thiereller bei Watzendorf bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges vollzogen. Sollte ein Ortsbewohner mit dem Tode bestraft werden, mußte nach gehaltenem Gericht der jüngste Ehemann aus den drei Gemeinden die Stelle des Nachrichters versehen und den von den Gerichtsschöppen getanen Ausspruch an der Gerichtseiche auf der Thiereller an dem Verurteilten vollziehen. Er empfing ein Paar neue Handschuhe, zog sie an, richtete, und warf sie von sich nach vollbrachter Exekution.
Im Laufe der Zeit kamen die Dörfer jedoch immer mehr in Abhängigkeit des Klosters Langheim.
Am 23. September 1288 beurkundet Bischof Bertold zu Bamberg, dass "Theimo von Smeheim die zwei Dörfer Nusez (Neuses a. d. Eichen) und Malendorf dem Kloster Langheim geschenkt habe." Im Juni 1289 bezeugt Friedrich von Razenberg, dass er "jeglichen Anspruch und jegliches Recht in den Dörflein Nusez und Malendorf in die Hände des Abts Hermann von Langheim zugeeignet und ihm als Lehen übertragen habe."
Im Jahre 1301 übergibt "Graf Conrad von Wildberg das ihm lehnbare Dorf Goßenberg dem Kloster Langheim zu Eigenthum."
1303 wurden alle Rechte (Zehntrecht, Vogteirecht und Recht auf Belehnung der Güter) dem zu Langheim gehörenden Klosterhof Tambach überlassen.
Gerichtlich wurde 1311 nach dem "Henneberger Urbarium Neuses a d. Eichen und Gossenberg dem Gericht Lauter, "dem Sitz eines Coburger Landgerichts" zugeteilt.
Aber am 23. August 1337 bestätigte Kaiser Ludwig der Bayer dem Kloster Langheim in einer Urkunde "die Gerichtsbarkeit über die Dörfer Wazendorf, Neusseße und Goßenberg und über zwei Höfen zu Hewried und zu Roßach."
Am 28. August 1488 nimmt Kurfürst Friedrich von Sachsen seine "lieben besundern Schultheyßen, Heymburgen, Dorfmeystern und ganzen Gemeynden der dryer Dorfer Watzendorff, Newses und Goßenberg samtlicher und yder besundern mit sambt yrem Leiben, Habe und Gutern in unsern Schutz, Schirm und Verspruch".
Im Dreißigjährigen Krieg sah es in den Dörfern sehr schlimm aus.
War in den Eigensdörfern das Kloster Langheim bis zur Säkularisation überwiegend Grundherr, so gehörten sie landesherrlich ab 1803 zu Sachsen-Coburg.
Bis zum Jahre 1978 waren die drei Dörfer Gossenberg, Neuses a. d. Eichen und Watzendorf selbständige Gemeinden des Landkreises Coburg. Seit der Gebietsreform 1978 gehören sie zur Gemeinde Großheirath. Geblieben ist ihnen heute der Ordensstab des Klosters Langheim im Gemeindewappen von Großheirath sowie die Bezeichnung "die drei Eigensdörfer".
