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Presseerklärung zur aktuellen Situation der allgemein - ärztlichen
Versorgung in der Gemeinde Ahorn durch Bürgermeister Finzel
Ein Hausarzt vor Ort ist elementar für die Lebensqualität einer Wohnsitzgemeinde wie Ahorn. Durch die direkte Lage an der Stadtgrenze zu Coburg und die Stadtbusanbindung besteht die Möglichkeit auch auf andere Praxen, insbesondere im Stadtgebiet, auszuweichen; eine volle Versorgung durch einen Allgemeinarzt vor Ort ist dadurch jedoch nicht zu ersetzen. Insbesondere im Zusammenspiel, z.B. mit der Apotheke, der Sozialstation des BRK oder dem für die erste Jahreshälfte zur Umsetzung geplanten Konzept der häuslichen Hilfen, ist eine enge Verzahnung mit dem Hausarzt unabdingbar. Persönliche Bindungen bestehen teilweise seit Jahrzehnten und der Gemeinde sind die Sorgen sehr bewusst, die mit dem bevorstehenden Arztwechsel in Ahorn verbunden sind. Sehr oft wird die schmerzliche Frage gestellt: „Herr Bürgermeister, bekommen wir wieder einen Arzt“?
Noch bis Mitte Dezember sind Bürgermeister und Verwaltung davon ausgegangen, dass die Sorgen der Bürger unbegründet sind. Eine vorgesehene Nachfolge hat sich allerdings zerschlagen. Aufgrund des hohen Zeitdrucks und der schwierigen Ausgangslage hat die Versorgung der Gemeinde mit einem Arzt, einer Ärztin vor Ort oberste Priorität. Aus diesem Grund wird mit großem Zeit- und auch finanziellem Aufwand an Lösungen gearbeitet. Dabei ist die Gemeinde nicht auf sich alleine gestellt und arbeitet eng abgestimmt mit Herrn Dr. Dyllus und einem außerordentlich sozial engagierten Ahorner Bürger zusammen.
Allerdings kann die Gemeinde nur an den Rahmenbedingungen und attraktiven Angeboten arbeiten, Interesse wecken und Kontakte zu Netzwerken knüpfen, in denen Mediziner mit entsprechender fachlicher Qualifikation zu finden sind. Die direkte Einflussmöglichkeit ist sehr gering und die Zuständigkeit der ärztlichen Versorgung liegt in den Händen der kassenärztlichen Vereinigung, mit der ebenfalls ein enger Austausch besteht. Dazu ist das Problem noch vielschichtiger anzusehen: Ähnlich wie bei den Fachkräften der Wirtschaft, ist es schwer das Interesse für eine Tätigkeit außerhalb der Ballungszentren zu wecken und es besteht – dies zeigen die vorliegenden Suchanfragen – immer noch ein falsches Bild unserer Region.
Langfristig sollte sich unser Landkreis daher überlegen, wie sie sich dieser „Schieflage im Kopf“ stellen möchte!
Zur ärztlichen Versorgung der Gemeinde Ahorn bieten sich für die Zukunft verschiedene Modelle an:
- Traditioneller Hausarzt
Wie bisher ist dieser Facharzt für Allgemeinmedizin zuständig für die medizinische Erstversorgung vor Ort. Er ist gut mit den Nachbarpraxen vernetzt und auch diese sind in die Nachfolgesuche mit eingebunden. Denn eine längere Vakanz, d.h. eine unbesetzte Arztstelle in Ahorn, würde gerade die benachbarten Praxen an ihre Kapazitätsgrenzen bringen.
- Gemeinschaftspraxis
Mehrere Ärzte betreiben gemeinsam eine Praxis. Dies kann an einem oder mehreren Standorten (= Kommunen/Orts- und Stadtteilen) erfolgen. Dabei können die Ärzte gleichberechtigte Partner sein oder auch angestellte Ärzte mitarbeiten.
- Medizinische Versorgung über das Klinikum Coburg
Vereinzelt gibt es bereits Erfahrungen der medizinischen Versorgung von Regionen über die Kliniken des regioMed-Verbundes, zu denen auch das Klinikum in Coburg zählt. Experten des Klinikums würden in solchen Fällen die medizinische Versorgung, z.B. in einer Filiale in der Gemeinde Ahorn, sicherstellen. Diese Variante kommt erst dann in Frage, wenn sich weder ein Allgemeinarzt als traditioneller Hausarzt, noch eine Gemeinschaftspraxis finden, die sich auf die frei werdende Arztstelle in Ahorn bewerben. Die Kliniken der Region, soweit die enge Absprache, unterstützen die Gemeinde Ahorn aktuell in jeder Hinsicht um Ärzte aus ihren eigenen Reihen zu gewinnen, denn auch aus ihrer Sicht ist eine der vorgenannten Alternativen zu bevorzugen. Eine Konkurrenz mit den Hausärzten ist natürlich in keiner Weise gewünscht.
In den vergangenen Wochen hat die Gemeinde Ahorn unter anderem folgende Anstrengungen zur Suche nach einem Allgemeinarzt bzw. –ärztin unternommen:
- Anzeigen in den großen Tageszeitungen, einschließlich der Bereiche Südthüringen, Lichtenfels, Bamberg und den Hassbergen sowie aktuell Anzeigen im deutschen Ärzteblatt
- Briefe an 190 niedergelassene Allgemein- und Fachärzte in Stadt und Landkreis Coburg, um die Suche bekannt zu geben und die Mediziner um Mithilfe zu bitten
- Gespräche mit der kassenärztlichen Vereinigung und persönliche Ansprache aller gemeldeten Praxisinteressenten
- Suche auf Internetforen der Kassenärztlichen Vereinigung und der deutschen Ärztezeitung
- In Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung wird aktuell Kontakt zu den Ärztekammern in Österreich und Südtirol aufgenommen. In diesen Ländern gilt die ärztliche Ausbildung als hervorragend. Sprachkenntnisse sind naturgemäß gegeben und es besteht mitunter ein Ärzteüberschuss. Daneben fanden unzählige direkte Kontakte zu Medizinern, z.B. in den Kliniken oder den Ärzten in der Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin statt. Dies erfolgte mit Zustimmung und Unterstützung der Chefärzte und der Geschäftsleitung des regioMed-Verbundes, für die die Gemeinde sehr dankbar ist. Ärzte, die sich für die Übernahme der Hausarztpraxis in Ahorn interessieren, erwartet:
Ein vollständig eingerichtetes Praxis- und Wohnhaus zu äußerst günstigen Mietbedingungen
Ein stabiler, großer Patientenstamm inkl. Betreuung zweier Seniorenwohnheime (gesamt ca. 150 Betten)
Eine finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde, z. B. beim Umzug von Familie
und / oder Praxis
Ein hausärztlicher Notfalldienst, in der Regel zweimal im Quartal durch gute Vernetzung
Eine einzige Arztpraxis am Ort
Dazu sind im Moment auch weitere räumliche Alternativen in Arbeit, die losgelöst von der bestehenden Praxis betrachtet werden können. Je offensiver die Gemeinde allerdings in Ihrer Suche vorgeht, desto mehr besteht die Möglichkeit von Zwistigkeiten mit Nachbarkommunen und der Gefahr eines „Bieterwettstreits“. Die Gemeinde Ahorn fordert daher ein gemeinsames Konzept der medizinischen Versorgung der Region unter Beteiligung aller Partner! Dies kann zum Beispiel in dem aktuell beginnenden „Moro - Projekt zur Daseinsvorsorge“ erfolgen!
Abschließend bittet die Gemeinde Ahorn alle Bürgerinnen und Bürger direkt auch in der eigenen Familie und im Freundeskreis nach möglichen Interessenten zu suchen. Die Konditionen sind äußerst attraktiv und erleichtern die Übernahme sowie den Berufseinstieg. Gesucht werden Fachärzte für Allgemeinmedizin und Internisten.
